Er wird präsentiert
Stefan Hämmerle war dieses Jahr mehrere Wochen auf der Transhumanz in Spanien.

Das neue Buch von Stefan Hämmerle gibt umfassende Einblicke in die Transhumanz in Spanien
Transhumanz, der letzte Viehtrieb Spaniens
Sierra – Serena: Unterwegs mit Nomadys,
Pastores und Amigos auf dem Transhumanz,
dem letzten Viehtrieb Spaniens. Das heißt:
Erhaltung der Natur – Kultur – Tradition – Erlebnis
– Abenteuer für Alle.
Stefan Hämmerle zeigt Bilder der Transhumanz vom Sommer 2010. Zudem
gibt es weitere Informationen zur Wanderschäferei in Südtirol und
Andalusien.
Im Anschluss an den bebilderten Vortrag und begleitenden Kurzfilmen ist eine Disskussion über die aktuelle Situation der Wanderschäferei möglich.
Krumbach/Illertissen
Er ist einer von ihnen, auch wenn er keine eigene Herde hat: Der in
Krumbach aufgewachsene Buchautor Stefan Hämmerle wurde in die große
Familie der spanischen Schäfer aufgenommen.
Bei einem gemeinsamen
Hüttenabend in Spanien, zu dem der Illertisser eingeladen worden war,
wurde er jetzt in den Kreis der Hirten-Helfer aufgenommen.
Hämmerle setzt sich seit einem Erlebnis auf dem Jakobsweg für die
Transhumanz ein – das ist die Fernweidewirtschaft, die in Deutschland
ausstirbt. „Sie bewahrte über alle Zeiten eine Lebensführung mit
Bescheidenheit, doch gleichzeitig das Weitergeben einer tragfähigen
Lebensweise für die nächste Generation.
Die Herden werden vom Winterquartier des Sü¨dens auf die saftigen
Weideplätze des Nordens gebracht. Im Herbst führt der Weg zurück“,
erklärt Hämmerle.
Ein
persönliches Erlebnis brachte ihn vor sieben Jahren auf den Pfad der
Hirten: Er pilgerte von Sevilla nach Santiago und kam im Großraum
Salamanca völlig vom Weg ab. An einem Waldstück traf er auf einen alten
Schäfer und einen Jungen.
Der Pastore nahm ihm den Rucksack ab,
schnallte diesen auf den Esel und half ihm zurück auf den richtigen
Pfad. Seitdem befasst sich Hämmerle mit Transhumanz. Jüngst berichtete
er in Krumbach den Altpfadfindern der St. Georgspfadfinder Krumbach,
was es mit der Weidewirtschaft auf sich hat.
Hämmerle
kritisiert den Flächenverbrauch in Deutschland, der den Weidezug
erschwere. Auch der großflächige Maisanbau sei alles andere als
hilfreich. Ein weiteres Hindernis sei die Bürokratie. Wenigstens stehen
die Schäfer in Deutschland nicht allein auf der nicht mehr weiten Flur:
„Die Probleme gibt es auch in Spanien“, sagt Hämmerle und erinnert an
den Umweltaktivisten Jesus Garzon.
Er gilt in Spanien als Neubegründer der Transhumanz und hat das Thema wieder in die Öffentlichkeit gebracht. Wie Garzon nutzt Hämmerle jede Gelegenheit, auf das aussterbende Handwerk hinzuweisen.
Demnächst plant er
ein Reisebuch mit biografischen Erlebnissen. Vorkommen soll darin auch
die königlichen Schäfer-Wege in Spanien. Sie wurden im Mittelalter
verbrieft, damit sich die Schäfer darauf ungehindert bewegen konnten.
Hämmerle, der gerne in philosophischen Ausführungen schwelgt, hält es
mit einem Vergleich: „Das Leben hält für jeden andere Wege parat.“ Man
muss sie nur zu nutzen wissen. (mcz) OKontakt
Mehr zum Thema gibt es im Internet unter: www.trunpa.eu.
Stefan Hämmerle berichtet über seinen letzen Besuch in Spanien
Die Fernweidewirtschaft, hat in Spanien noch eine große Bedeutung. In Deutschland könnte man die Wanderschäferei damit vergleichen. Die Probleme der Schäfer und Hirten werden nicht weniger, Stefan Hämmerle setzt sich für den Erhalt dieser wichtigen Landbewirtschaftung ein. Hier ein Bericht von seiner letzten Reise nach Spanien.
Ende Januar, da läutet das Telefon. Mein Amigo Jesus Gaston, Spaniens Umweltkämpfer Nr. 1, für mich ein unwahrscheinlicher, zuverlässiger, ehrlicher Freund. Primitivo, der Pastor (Schäfer) aus dem Fernweidetrieb „Serra Serena“ wird am Freitag 4. 2. 2011 in Segovia für seine vielen Jahre Schäferei besonders geehrt. Er wird 70, so ist er bestimmt¨über 50 Jahre als Berufsschäfer auf der Transhumanz.
Ein erfahrener Schäfer
Letztes Jahr war ich zusammen mit ihm auf dem Schafszug unterwegs. Zwar
konnte ich kein Spanisch und er kein Deutsch und doch verband uns von
der ersten Stunde eine Sympathie, Freundschaft und manchmal ein
bisschen Spaß. Trotz seines Alters war Primitivo ein exzellenter
Reiter, Hundeführer und Herdenchef der Sonderklasse. Nie erlebte ich
ihn mit Grobheiten oder Gewalt gegen die Tiere. Wenn es eng wurde stieg
seine Besonnenheit und Konzentration. Auch das mühevolle Führen des
Führungstieres war für ihn keine Herausforderung. Er zeigte immer
wieder Geduld und packte aufs Neue an.
Auch die zwei kleinen Hirtenhunde waren stets auf seiner Höhe. Pfiff,
Schrei oder ein Wink und schon stoben sie wie Armin Hary und brachten
die 2.200 Merinos zusammen. Als Führung mein Freund Jesus Garzon, dann
mein Künstlergenosse Nacho, ein Koch von Königsgnaden. Gleichzeitig ein
Allrounder in Sachen Schafe.
Dann Dessi aus Burgos, auch ein sehr feiner Mann mit Gefühl und
Verstand, kein Wunder, er trieb und züchtete Schafe, Rinder, Pferde.
Jetzt fehlt noch die Mastinohündin Mary mit ihren drei Welpen. Es sind
die Schutzhunde für die Nacht. Zurück zum Telefon, was bleibt mir
übrig, Lügen gibt es nicht, Ausreden auch nicht. Jesus gibt mir noch
das Restaurant und die Uhrzeit bekannt. Ich besprach den Ausflug mit
meiner Frau Marlies, sie war hell begeistert, ja Stefano, nichts wie ab
und los, dich hält sowieso nichts, wenn es heißt, ab nach Spanien.
Nette Bekanntschaft
Am Mittwoch, den 2. 2. 2011 von München nach Madrid. Jetzt erst wurde
mir klar, Madrid ist ein Riesenflughafen. U-Bahnen sind direkt
angebunden, doch alles in Spanisch ausgeschrieben. So begann ich meine
Lottofahrt. Bestimmt 40 Minuten fuhr ich mit der U-Bahn kreuz und quer,
bis sich ein alter Professor genötigt sah und eingriff. Er muss auch
zum Bus, ich soll nur ständig in seiner Nähe bleiben, dann zeigt er mir
den Zustieg im Busbahnhof. Bustranfer Segovia, die Stadt ist mir bis
auf Ihren Namen völlig unbekannt.
Dort saßen vier Studentinnen aus Österreich im Bus, sie lernen
Touristik und wohnen in Segovia, so ein Zufall. Sie zeichneten mir auf
ein Blatt einen Stadtplan und empfahlen mir mehrere Hotels. Wir
unterhielten uns und so wurde ich auch über die Stadt eingewiesen. Kurz
vor der Einfahrt nach Segovia ein Traum. Eine Skulptur in riesiger
Größe, Schäfer mit Schafen und Mestino. Doch das ging so schnell, ich
kam nicht zum Fotografieren. Es ging auf 18 Uhr zu als wir die Stadt
erreichten. Langsam wurde es duster und neblig wie daheim. Nach der
Verabschiedung zog ich in Richtung Innenstadt. Dort besuchte ich die
Touristikinformation und holte mir einen Stadtplan und die
Übernachtungsmöglichkeiten. Ja, die Senioritas, die hübschen aus meinem
Nachbarland Österreich, waren mit ihren Tipps Klasse. Ich hatte bald
ein Hotel gefunden.
Sehenswürdigkeiten
Der Donnerstag war unter dem Motto Besichtigungen, Fotos und Finden des
Restaurants für den Ehrungsabend. Zuerst steuerte ich eine Bar an. Ein
kräftiges Frühstück mit jeder Menge Cafe Ole brachte mir Stärkung. Ab
10 Uhr kam auch die Sonne zum Vorschein und es wurde wesentlich wärmer.
Das war mein Startschuss. Also zuerst zum Schäferdenkmal. Doch mehrmals
lief ich in eine andere Richtung und ich kam zwar auf Zufahrtstraßen,
doch zu keinem Monument.
Bereits Nachmittag und immer noch auf der Suche. Eine junge Frau erklärte mir dann den Weg. Endlich stand ich mit stolzgeschwellter Brust vor dem Schäfer, mit Schafen und Hund. Jetzt konnte ich fotografieren. Der Rückweg war viel einfacher und kürzer. Prompt war ich am Pastores Vereinslokal, den Aquadukten der Römer, der mächtigen Basilika, Stadtmauer und Befestigung und vielem mehr. Segovia ist Weltkulturerbe, eine alte, eine schöne Stadt umrahmt von Bergen.

Festakt
Freitag, 3. 2. 2011, duschen, vorpacken und Blasen verpflastern. Dann
ging es in die Innenstadt. Kurz nach 10:00 Frühstück war beendet, trieb
es mich auf die Einkaufsmeile. Schon wurde ich umringt von festlich
gekleideten Senioras in traditioneller Kluft, da kam auch schon die
Musika. Vier Mann, auch im mittelalterlichen Gewand, ein Trommler,
Klarinettist, Tomboyr und Trompete. Meine Baskenmütze gab Ihnen zu
erkennen, dass ich irgendetwas mit Pastor, Transhumanz oder ähnlichem
zu tun haben könnte. So erklärte ich auf Aleman meinen Weg nach
Segovia. Das wurde mit Freude beklatscht und die Musika spielte für
mich Anneliese, ach Anneliese. Diesen Schlager wiederholten Sie bis zum
Tanz der Frauen. So besichtigte ich noch einiges und war pünktlich um
20 Uhr im Lokal zum Treffen. Punkt 20.30 Uhr, die Tür geht auf und
Primitivo mit seiner Frau, Nacho mit Frau; Ricardo und eine ganz Schar
mir unbekannter Menschen strömten ins Lokal. Die in schwarz gekleideten
Kellner geleiteten alle in einen reservierten Raum. Noch stand ich ganz
einsam und allein zwischen der Menschentraube. Da kam mein Amigo Jesus
Gaston mit seiner Gemahlin. So wurde ich kurz vorgestellt, wir nahmen
Platz und schon marschierte eine Blasmusik ein. Allerdings unter dem
Spiel von Spanischer Musik. Jesus erklärte mir den weiteren Ablauf.
Nach dem Musikaufspiel folgt die Ehrung von Primitivo durch
verschiedene Persönlichkeiten unter anderem einem Tierarzt in höherer
Position, der sich verstärkt für den Transhumanz einsetzt, einem Poet,
Jesus und im Anschluss darf ich meine Glückwünsche aus dem Allgäu
überbringen, er wird mich übersetzen. Zur Vorspeise wurde Käse vom
feinsten mit Weißbrot gereicht, die Musik stellt ihr Spiel ein und es
begann die Ehrung. Ja, der Primitivo war sichtlich stark beeindruckt.
Ein bisschen spürte man ihm an, es war eine völlig ungewohnte Situation
für den Pastor und seine blauen Augen konnten die Tränen eines
verdienten Mannes nicht verstecken. Da kommen einem schon die
Geschichten in Erinnerung, die erzählen, Pastores sterben nicht im
Bett, sie ziehen vorwärts mit der Herde und sterben in Gottes Hand in
ihren Stiefeln im Sand der Sierra. Nun ergriff Jesus das Wort.
rhetorisch aussagestark spricht er mit wenigen Worten sehr viel.
Beifall, Klatschen, jetzt heißt es für mich auf. Mein Dank für die
Einladung, mein Wunsch noch oft mit ihm in Gesundheit auf den Hirtenzug
zugehen. Insbesondere möge er sein Wissen, seine Erfahrung an die
Jungen weitergeben. Weder vor dem König, dem Politiker, noch vor dem
Reichen ziehe ich meine Kappe, aber vor einem großen Pastor, vor meinem
Amigo, nehme ich die Baskenmütze ab.
Beeindruckende Gesten
Jesus übersetzte meine wenigen Sätze, da standen die Senioras, Seniores
bereits auf und applaudierten weniger meine Worte, aber meine Geste,
denn dass ich als Fremder so handle war für sie außergewöhnlich. Die
Seniora vom Veterinär erklärte mich darauf als anerkanntes Mitglied in
der großen Familie des Pastores. Für mich eine unerwartete und nicht
voraussehbare Geste meiner spanischen Freunde. Sie können mit mir
dieses Jahr auf der Transhumanz rechnen. Dann war wieder Musika
angesagt, doch zusätzlich spielte ein junger Mann Spanische und
Argentinische Weisen. Für mich einfach ein Traum, so musste ich nach
dem Hauptgang mit allen Damen aufs Parkett. Normal eine Freude, doch
mit Blasen an den Füssen? So erlebte ich einen Abend, den ich nicht
vermissen möchte und werde. Einsam sind die Tapferen, manchmal werden
sie vom Leben belohnt und dürfen spüren, sie sind gar nicht ganz allein.
Aktuelles Probeheft zum Herunterladen:
Abbobestellung Schafe und Ziegen aktuell: www.pressekatalog.de
Aktion von Stefan Hämmerle initiiert:
Sehen Sie die Dokumentation im Regio TV
von Cecilia Merin CECILA MERIN
erschienen in der Zeitung "HOY" am 20.07.2009
Übersetzung: Regina Langhals
Illertissen Stefan Hämmerle (62) aus Illertissen ist Autor zweier Bücher, Spanien Fan und neuerdings damit befasst, uralte Viehweidepfade in Spanien - die jahreszeitlich angepasste Viehwanderung heißt Transhumanz touristischen - Interessen zu erschließen. Als sich Stefan Hämmerle auf seinem Pilgerweg nach Santiago de Copostela zwischen Salamanca und Zamora hoffnungslos verirrt hatte, traf er auf einen Schafhirten, lernte die jahrtausendealten Viehpfade kennen und gelangte über diese an sein Ziel.
Im Spanischen heißt "transhumar" auf die Weide bringen, woraus sich der Begriff Transhumanz ableiten lässt. Wenn im Frühsommer Zentral und Südspanien unter Trockenheit leidet, werden die Tiere, hauptsächlich Schafe, über Hunderte von Kilometern in gebirgige, feuchte Regionen Nordspaniens getrieben. Der Vorgang heißt Transhumanz. In Zeiten moderner Viehhaltung kann diese traditionelle, mit der Umwelt in Einklang stehende Viehwirtschaft nicht mithalten.

Den Illertisser Autor hat nicht nur der Jakobsweg beeindruckt darüber schrieb er "Handlungsreisender zwischen Welten und Werten" sowie "Gedanken am Fluss" sondern auch die Transhumanz. Um Näheres über dieses überlieferte Wissen zu erfahren, hat es ihn wieder in den Südwesten Spaniens gezogen, in die Extremadura. Dort lernt er Hendrik Berends kennen, knüpft aber auch Kontakte zur spanischen Zeitung "EI Hoy", die über den deutschen Schriftsteller und sein Interesse an der spanischen Kulturgeschichte berichtet. Stefan Hämmerle zeigt sich von seinen Reiseerlebnissen noch ganz beeindruckt: "Ich denke, dass einige Leute außerhalb des Ortes geboren werden, wo sie eigentlich hingehören." Der Spanien Fan hat seine Reisen bislang ohne Kenntnis der Landessprache bewältigt und konnte irnmer auf freundliche Hilfe zählen.